Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDrucken

Projekt SG 11/2: Wie körperbewusst ist die Anna-Haag-Schule?

„Jugendliche verzehren mehr Alkohol als Gemüse.“ (Die Welt 2011), „Ich pumpe, also bin ich.“ (SchulSPIEGEL 2013), „Wenn das Essen zur Qual wird.“ (BKZ 2016). Dies sind Titel verschiedener Artikel, die sich mit der Frage des Körperbewusstseins von Jugendlichen und den sich daraus ergebenden Verhaltensweisen auseinandersetzen. Es wird behauptet, Jugendliche definierten sich heutzutage primär über ihren Körper, wollten schlank und muskulös sein. Die Daten der AOK offenbarten im Juni 2016, dass weit über 300 Jugendliche im Rems-Murr-Kreis von Essstörungen betroffen sind. Gleichzeitig ernährten sich Jugendliche, wenn man vielen Einschätzungen aus der Presse glaubt, immer ungesünder, äßen nur wenig Gemüse, betrieben entweder keinen oder exzessiv Sport. Aber ist dem wirklich so? Welche Rolle spielen Ernährung, Fitness und Schönheitsideale für die Schülerinnen und Schüler der Anna-Haag-Schule?

Bild-5-SG-11-2

In der Eingangsklasse des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums wird klassischerweise ein Projekt durchgeführt. Die SG 11/2 interessierte sich in dem Zuge für die Thematik des Körperbewusstseins –  sie versuchte herauszufinden, inwiefern die oft plakativen Schlagzeilen aus den Medien auf Schülerinnen und Schüler unserer Schule zutreffen. Da sich sozialwissenschaftlicher Erkenntnisgewinn meist aus entsprechenden Studien ergibt, sollte die Klasse im Rahmen des Projektes das Vorgehen empirischer Forschungsmethodik aktiv erleben. Das ist besonders wichtig, um verstehen zu können, welche Falltüren sich bei der Durchführung, Auswertung und Interpretation ergeben können und damit ein erster Schritt, um kritisch mit Statistiken umzugehen.
Die Ergebnisse des Projektes wurden in Form einer Wandzeitung dargestellt und sind seit dem 25.07.2016 im 1. Stock der Anna-Haag-Schule ausgehängt.

Annika Traxler
Lehrerin des Profilfaches Pädagogik und Psychologie in der SG 11/2

Bild-6-SG-11-2

Schülerinnen und Schüler berichten:
Wir, die Klasse SG 11/2, haben zum Abschluss unserer Lernplaneinheit „Statistik“ am 13.07.2016 eine Umfrage gestartet, die durch Fragebögen zu den Themen Schönheitsideale, Ernährungsverhalten und körperliche Fitness erhoben wurde. Zur Vorbereitung unseres Projekts haben wir unterschiedliche Fragen formuliert, die die oben genannten Themen umfassen. Damit die Befragten das Thema des Fragebogens nicht genau erkennen konnten, wurden zu den relevanten Fragen weitere Fragen gesammelt, die zur Ablenkung dienten. Am Mittwochmorgen ging es dann in kleinen Gruppen in Klassen aus unterschiedlichen Schularten. Nach ein paar einführenden Worten wurden die Bögen ausgeteilt und die Schüler konnten in Ruhe die Fragen ausfüllen, deren Antwortmöglichkeiten natürlich anonym blieben. Nach dem Einsammeln hielten wir dann die Ergebnisse in einer Excel-Tabelle fest, unserem Datensatz, der uns zu unserer Erkenntnisgewinnung verhelfen sollte.

 Bild-1-SG-11-2

 

 

Bild-2-SG-11-2 

Insgesamt wurden in unserer Stichprobe 98 Personen befragt. Es waren unterschiedliche Klassen der AHS dabei, unter anderem die SG-Schüler (Klassen des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums), BK–Schüler (Klassen des Berufskollegs), die Schüler der BFS (Berufsfachschule) und zuletzt die Schüler der H1JA (Jungarbeiterklasse).

Unter den Befragten war eine Mehrheit an Frauen mit 85%, männliche Befragte nahmen nur mit einem Anteil von 15% teil. 51% der Teilnehmer waren der Altersklasse 18 – 20 Jahren zuzuordnen. Im Altersbereich von 16 – 18 waren es 26% und nur 22% der Befragten hatten ein Alter von über 20 Jahren. Ausschließlich 1% war der Altersgruppe unter 16 zuzuordnen. Die Mittelwerte zu den unterschiedlichen Items des Fragebogens sind in Form eines Säulendiagramms in unserer Wandzeitung visualisiert.

Bei den Ergebnissen wurden die Antworten der männlichen und weiblichen Teilnehmer sowie die Antworten der verschiedenen Schularten verglichen. Hierbei kamen wir in Bezug auf das Ernährungsverhalten zu folgenden Ergebnissen: Bei der Frage „Ich mache mindestens 2x pro Woche Sport“ kreuzten 77,7% der H1JA und somit die Mehrheit „trifft immer zu“ oder „trifft häufig zu“ an. In der Häufigkeit der Aktivitäten gibt es aber kaum Unterschiede bei den Geschlechtern. 53,85% des BKs bewegen sich täglich mehr als 5 km – damit sind die Schüler des Berufskollegs diejenigen, die sich am meisten bewegen. Die Schüler der Berufsfachschule bewegen sich dagegen am wenigsten. Insgesamt gesehen bewegen sich im Vergleich der Geschlechter die männlichen Befragten 15% mehr als die weiblichen.

Bild-3-SG-11-2

Die Schüler des SGs haben mit 73,9% am meisten Spaß am Sport und die H1JA mit 33,33% am wenigsten. Die H1JA macht also am meisten Sport, jedoch macht es ihnen am wenigsten Spaß, weshalb 88,9% der Schüler auf eine Alternative, um fit zu bleiben, zurückgreifen würden. Im Gegensatz dazu würden nur 32,6 % der Schüler des SGs diese Möglichkeit nutzen. Dass die Schüler der H1JA zwar viel Sport machen, aber am wenigsten Spaß daran haben, interpretieren wir so: Die H1JA hat sechs Stunden Schule in der Woche und somit 32 Stunden weniger als das SG oder das BK. Daraus schließen wir, dass die Klasse H1JA mehr Zeit hat, um Sport zu treiben. Dass sie dabei aber am wenigsten Spaß hat, könnte damit zu tun haben, dass die Schüler hauptsächlich Sport treiben, um eine schönere Figur zu bekommen, denn laut den Items zum Ernährungsverhalten haben viele Schüler der H1JA auch schon mehrere Diäten durchgeführt. Daraus lässt sich schließen, dass den Schülern der H1JA ihr Äußeres sehr wichtig ist und für sie im Alltag eine große Rolle spielt.

In Bezug auf das Ernährungsverhalten wurde deutlich, dass viele Schülerinnen und Schüler schulartenübergreifend illegale Substanzen zu sich nehmen wie zum Beispiel Marihuana. Dagegen trinken eher weniger Schüler mehr als zwei Mal wöchentlich Alkohol. Beim Kaffeekonsum gibt es zwischen den verschiedenen Schularten kaum Unterschiede. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist uns aufgefallen, dass viele Items ungenau formuliert waren und deshalb die Ergebnisse auch nur schwer für uns zu interpretieren waren. Zum Beispiel die Items „Ich esse jeden Tag Obst/ Süßigkeiten/ selbst zubereitetes Essen“ – es ist nicht klar, in welchem Umfang die Befragten die entsprechenden Nahrungsmittel konsumieren und was sie zum Beispiel unter „selbst zubereitetem Essen“ verstehen. Diese Items müsste man überarbeiten.

Bild-4-SG-11-2

Zur Bedeutung von Schönheitsidealen haben wir herausgefunden, dass die Mehrheit der befragten Klassen (56,7%) Sport macht, um eine schönere Figur zu bekommen. Lediglich 17,5% machen nie Sport, um eine schönere Figur zu bekommen. Bei der Frage, ob man eher dünne oder kurvige Frauen attraktiv findet, gaben 66,7% der Männer sowie 71,1% der Frauen an, dass sie kurvige Frauen attraktiv fänden. Dünne Frauen werden von Männern fast genauso attraktiv gefunden wie kurvige Frauen (60%), jedoch sind dünne Frauen bei Frauen weniger beliebt (40,9%). Muskulöse Männer wie Zac Efron werden von beiden Geschlechtern als attraktiver empfunden als dünne Männer.

In unserer Umfrage haben wir gelernt, wie man bei der Methode des Fragebogens vorgeht. Wir haben gelernt, die Fragen richtig zu stellen, sodass sie gut verständlich und klar sind. Wie man die Items formuliert, war dabei manchmal komplizierter als gedacht. Unter anderem haben wir probiert, die Ergebnisse zusammenzufassen und zu reflektieren. Dadurch, dass wir innerhalb der Klasse in verschiedenen Gruppen gearbeitet und die Ergebnisse am Ende zusammengefügt haben, hat jeder seinen Teil zu unserer Studie beitragen können